So führen Bluewin-Journalisten auch Gespräche mit politisch exponierten Personen. Die Newssite publizierte diese Woche ein selbst geführtes Interview mit Verteidigungsministerin Viola Amherd. Die Bundesrätin äusserte sich unter anderem zur Kampfjet-Beschaffung und zu neuen Bedrohungsformen.

Zudem lancierte das Portal ein neues Entertainment-Format. Man wolle nichts weniger als das längste jemals in der Schweiz geführte Interview auf Bluewin veröffentlichen, heisst es. Dem Gesprächspartner sollen dabei exakt 1000 Fragen gestellt werden.

Vor einem Jahr machte das Portal einen Ex-NZZ-Journalisten zum neuen Chefredaktor. Pikanterweise darf der Journalist weiterhin in der «NZZ am Sonntag» publizieren. Zum Teil schreibt er dabei über die exakt gleichen Themen.

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Politisch heikel

Die Medienaktivitäten der Swisscom sind politisch heikel. Streng genommen müsste sich der Konzern, der zu 51 Prozent der Eidgenossenschaft gehört, komplett aus dem Medienbereich heraushalten. Der Bund schreibt der Swisscom sogar vor, die «Grundsätze der Staatsunabhängigkeit der Medien zu beachten».

Doch den Konzern hat diese Beschränkung noch nie wirklich gekümmert. Die Swisscom-Chefs haben sich über die Jahre immer selbstbewusster über das Medienverbot hinweggesetzt. Die Berner Behörden drückten beide Augen zu. Das dürfte sich auch beim jüngsten Vorstoss nicht ändern.

Dazu passt, dass die Swisscom keine publizistische Offensive erkennen will. So werden dem News-Portal nicht mehr Mittel zur Verfügung gestellt, beteuert ein Sprecher von Swisscom. Es gebe auch keinen personellen Ausbau der Redaktion. Bluewin biete rund 20 redaktionelle Vollzeitstellen, sagt Sprecher Sepp Huber. Diese Zahl sei stabil. Dass zum Teil neue Redaktoren angeheuert hätten, habe mit der Verlegung des Redaktionssitzes von Zürich in die Agglomerationsgemeinde Volketswil zu tun, so Huber weiter.

«Bluewin-Redaktoren betreiben keine politische Meinungsbildung, etwa über Kommentare», sagt Huber. Das Portal beziehe «die meisten Inhalte von externen Agenturen wie den Schweizer Medienunternehmen SDA oder Keystone». Dass Bluewin eigenhändige Bundesratsinterviews führt und so zur Meinungsbildung beiträgt, ist der Zentrale in Bern offensichtlich entgangen.