In den Not Guilty-Restaurants in Zürich, Oerlikon und Altstetten steht viel Gesundes auf dem Speiseplan: Salate, Suppen, frisch gepresste Säfte. Die Zutaten kommen so weit es geht aus der Region. «Healthy Fast Casual» nennt sich das gastronomische Konzept. Die Gäste geben normalerweise an der Theke an, was sie haben möchten. Allerdings nicht alle. Manche tippen die Bestellung auch einfach ins Smartphone.

Seit zweieinhalb Jahren ist es möglich, per App zu ordern. Praktischerweise wird mit dem Abschicken der Bestellung auch gleich der Bezahlvorgang eingeleitet. Georg Lang, Mitinhaber von Not Guilty, sieht klare Vorteile bei den Abläufen in seinen Betrieben:

Die App sorgt offenbar auch für bessere Laune. Die Gäste, die digital bestellen, seien entspannter, weil sie nicht mehr warten müssen. Finanziell lohnt es sich für Lang: Der Durchschnittsumsatz pro Bestellung ist dank App um 18 Prozent gestiegen. Das kommt, weil die Leute ohne wartende Gäste im Rücken automatisch mehr bestellen.

So präsentiert sich die App. (Visualisierung: PD)

Gespräche mit grösseren US-Restaurantketten

«Menu» heisst die App zum Bestellen und Bezahlen im Restaurant, und so heisst auch das Zuger Unternehmen dahinter. Die Gründer Karl Heinz und Marlon Koch, Vater und Sohn, wollen das Essengehen digitalisieren. Sohn Marlon ist dabei für die Technik zuständig, Vater Karl Heinz lenkt als CEO den geschäftlichen Part.

Und der entwickelt sich gut. Zu den Kunden gehören kleinere Schweizer Ketten und grosse Schweizer Gastronomiegesellschaften wie ZFV. Man ist auch in Deutschland, Spanien, England, Frankreich und Skandinavien bereits präsent. Der Sprung über den Atlantik steht zudem bevor. Karl Heinz Koch sagt:

Für ihn muss eine gute Bestell- und Bezahl-App flexibel einsetzbar sein. Bei «Menu» können die Gäste – etwa auch im «Siesta» oder in der «Llama bar y cocina» im Strandbad Lido in Luzern – nicht nur im Restaurant bestellen, sondern auch ausserhalb. Vorbestellungen für Take Away und den Verzehr im Restaurant sind genauso möglich wie klassische Bestellungen am Tisch. Auch wenn die Bestellung schon aufgenommen wurde, kann die Bezahlung später über die App laufen. Die App passt sich zudem an das Markendesign des Restaurants an. Als sogenanntes White Label. Koch: «Die Gäste sehen dann nur das Restaurant-Branding. Sie sehen nicht, dass wir der Lösungsanbieter sind.»

Per App lässt sich auch personalisiertes Marketing betreiben. Restaurants bieten Gästen einen Rabatt auf deren Lieblingsgericht an oder gratulieren mit Sonderangeboten zum Geburtstag. Die schnelle Kommunikation soll höhere Stammgäste-Zahlen bringen. Das Interesse der Gastronomie an digitalen Lösungen nimmt laut Karl Heinz Koch stark zu.

So könnten digitale Bestellwerte um bis zu 30 Prozent höher ausfallen als analoge Bestellungen, weil laut Koch die App-Nutzer eher als andere Gäste zusätzlich Beilagen oder Getränke dazubestellen.

Am schnellsten geht die Digitalisierung gemäss dem Zuger Unternehmer bei Restaurants mit Thekenservice voran, später erreicht sie auch Betriebe mit Tischservice. Nicht zuletzt, da die Konzepte zunehmend verschmelzen. «Selbst feine Restaurants führen neue Technologien ein, um einen Wow-Effekt zu erzeugen. Anstelle von Menus aus Papier bieten sie Menus an, die auf Tablets angezeigt werden.» Auf diese Weise würden sie näher an Schnellrestaurants heranrücken, «die im Bereich digitale Bestellung und Bezahlung weit voraus sind», so Koch.

Persönlich bestellen, 
mit der App bezahlen

Am Tisch soll sich die Wartezeit durch die Menu-App im besten Fall um bis zu 20 Minuten verkürzen, da sich der Kellner einige Wege spart, wenn digital bestellt und bezahlt wird. Allerdings legen manche Gäste immer noch viel Wert auf die Meinung des Personals. Zum Beispiel wollen sie wissen, welche Weine zum Essen passen. Diese Erfahrung hat man in der Mövenpick Weinbar in Zürich gemacht. Dort sind mehr als 500 Weine im Angebot, der Walliser Petite Arvine genau wie Moselriesling und spanischer Tempranillo.

«Menu» ist hier seit zwei Jahren im Einsatz. Zu Beginn wurde aktiv Werbung dafür gemacht, etwa mit Tischaufstellern. Für die Bestellung greifen aber noch recht wenige Gäste zum Smartphone. Das liege nicht an der App, sondern an den Publikumsgewohnheiten, sagt Ramona Carla Capaul, die stellvertretende Geschäftsführerin.

Dennoch sieht Capaul durchaus Bedarf. Das zeigt sich beim Bezahlen. Die Rechnung begleichen viele Weinbar-Gäste bereits mit «Menu». Das digitale Bestellen, so Capaul, brauche eben noch etwas länger, um sich durchzusetzen.