Jugendsession

«Ich will jetzt schon wissen, wie das läuft» – Jugendliche debattieren in Bundesbern

Zum Abschluss der Jugendsession werden die vorbereiteten Vorstösse jeweils im Nationalratssaal diskutiert. Bilder: Lukas Lehmann, Parlamentsdienst und Indra Crittin

In den letzten vier Tagen haben 200 Jugendliche im Nationalratssaal übernommen: Im Rahmen der eidgenössischen Jugendsession arbeiteten sie Forderungen aus und überwiesen Vorstösse. Auf den Stühlen der Parlamentarierinnen und Parlamentarier sassen auch zwei junge Interessierte aus dem Kanton Solothurn.

Sie sind jung, politisch interessiert und engagiert: Vanessa Mettler, 17, aus Grenchen und Patric Wyssmann, 19, aus Kriegstetten. Mettler gibt als Hobbys «Politik und Feuerwehr» an und ist im Vorstand der BDP Solothurn-Lebern. Wyssmann absolvierte die Lehre beim Departement für Justiz und kandidierte diesen Herbst für die Nationalratswahlen, ist mittlerweile aber nicht mehr Mitglied der Jungen SVP. Der Vater von Mettler politisiert in der kantonalen BDP. Der Vater von Wyssmann wirkt für die SVP im Solothurner Kantonsrat.

Die beiden jungen Menschen sassen von Donnerstag bis Sonntag nun sogar im Nationalratssaal im Bundeshaus, wo die eidgenössische Jugendsession stattfand. Mettler auf dem Stuhl von Rosmarie Quadranti (ehemalig, BDP, Zürich), Wyssmann auf dem Sitz von Regula Rytz (Grüne, Bern).

Petition zur Förderung nicht öffentlicher Medien

Die Jugendsession findet jedes Jahr statt (siehe auch Box «200 Jugendliche in Bundesbern»). 200 junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren können daran teilnehmen. Während vier Tagen werden in Gruppen verschiedene Themen bearbeitet, Forderungen erstellt und im Nationalratssaal vorgestellt.

Die beiden Solothurner Teilnehmenden waren in derselben Gruppe und befassten sich mit dem Thema «freie Medienlandschaft». «Dies interessiert mich schon länger – ehrlich gesagt wusste ich aber zu wenig darüber, und ich sah hier die Chance, mich eingehender damit zu befassen», erklärt der 19-Jährige aus Kriegstetten. Die 17-Jährige aus Grenchen erzählt, dass etwa auch Klimawandel ein mögliches Thema gewesen wäre. «Das ist derzeit in aller Munde. Aber es ist auch wichtig, dass die Medienvielfalt nicht verschwindet.» So wurden Dossiers bearbeitet und Diskussionen geführt. Das Ergebnis: Eine Petition, die verlangt, dass auch Privat-Medien finanzielle Unterstützung erhalten. Wyssmann berichtet am Sonntagmorgen am Telefon vom Bundeshaus aus, er habe gerade Pause und komme aus dem Nationalratssaal. Soeben wurde die Petition, an der Mettler und Wyssmann mitgearbeitet haben, diskutiert – und angenommen.

Die Vorstufe für eine politische Karriere?

«Es ist schon unglaublich, wenn man im Saal sitzt, vor dem grossen Landschaftsbild», erzählt Mettler, die schon vor zwei Jahren an der Session teilgenommen hat; damals sass die Lernende Bäcker/Konditor auf dem Stuhl von BDP-Nationalrat und -Präsident Martin Landolt. «Ich werde halt erst nächstes Jahr 18, will aber schon jetzt wissen, wie das läuft», so die junge Grenchnerin. Die Session sehe sie von daher auch als Vorstufe für ein späteres Amt an – vielleicht im Gemeinde- oder Kantonsrat. Und auch Wyssmann erzählt, er hoffe wirklich, dass er später einmal auf einem Stuhl im Bundeshaus sitzen und politisieren dürfe. Aber auch Kantonsrat wäre ein schönes Amt – und eine gute Station vor dem Nationalrat.

Vorerst sind Mettler und Wyssmann aber mit ihrer Arbeit und den Diskussionen der Jugendsession zufrieden. «Meine Erwartungen wurden komplett erfüllt», so Mettler. «Es ist schön, zu sehen, wie sich so viele junge Menschen engagieren», ergänzt Wyssmann, der derzeit die Passerelle absolviert, um nach der Berufslehre studieren zu können. Er könne die Session jeder Person empfehlen, die «Politik in der Praxis» erleben möchte. Die Teilnehmenden deckten zudem ein breites Spektrum von konservativ bis sozialistisch ab – «und wir führen sehr gute Diskussionen.» Und was bei der Jugendsession auch dazugehört: «Beim Feierabendbier stossen wir jeweils zusammen an.»

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