Wahlen 2019

2. Ständerats-Wahlgang: Überraschung in Freiburg – Herausforderin triumphiert ++ Grüne nehmen SP in der Waadt einen Sitz ab ++ Genfer Stöckli bleibt rot-grün

  • Die Kantone Waadt, Freiburg und Genf wählen heute im zweiten Wahlgang ihre Ständeräte.
  • In der Waadt verliert die SP überraschend einen Sitz: Der Bisherige Olivier Français (FDP) und Adèle Thorens (Grüne) gewinnen die Wahl vor Ada Marra (SP).
  • In Freiburg liegt SP-Boss Levrat wie erwartet in Führung. Dahinter hat Johanna Gapany (FDP) Beat Vonlanten (CVP) überholt.
  • In Genf sind die Grüne Lisa Mazzone und SP-Mann Carlo Sommaruga gewählt worden.

Waadt: Grüne nehmen SP einen Sitz ab

Der bisherige FDP-Ständerat Olivier Français (64) und die Grüne Adèle Thorens haben die Ständeratswahlen im Kanton Waadt gewonnen. Die Sozialdemokratin Ada Marra wurde nicht gewählt. Damit scheidet die SP Waadt aus dem Ständerat aus.

Kein Frauen-Doppelpack im Waadt-Stöckli: Adèle Thorens (links) und Ada Marra (SP)

Der Freisinnige Français erhielt nach Angaben der Waadtländer Staatskanzlei vom Sonntag 86'345 Stimmen. Die Grüne Thorens wurde mit 83'031 Stimmen neu in den Ständerat gewählt.

Nicht gewählt wurde die Sozialdemokratin Ada Marra. Sie schied mit 76'193 Stimmen als Drittplatzierte aus. Nach dem ersten Wahlgang vor drei Wochen waren Thorens und Marra auf den vorderen Plätzen positioniert, Français hatte auf dem dritten Platz gelegen.

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Freiburg: Herausforderin verdrängt Bisherigen

Überraschung im Kanton Freiburg: Der amtierende CVP-Ständerat Beat Vonlanthen ist im zweiten Wahlgang der Ständeratswahlen abgewählt worden. Neben SP-Präsident Christian Levrat zieht die 31-jährige Johanna Gapany (FDP) als erste Frau für den Kanton ins Stöckli ein.

Gemäss Angaben der Freiburger Staatskanzlei erzielte Levrat 38'337 Stimmen. Gapany kam auf 31'122 und Vonlanthen auf 30'964 Stimmen.

Johanna Gapany (FDP) verdrängt den Bisherigen Beat Vonlanten (CVP).

Mit der 31-jährigen Johanna Gapany zieht die erste Frau für den Kanton Freiburg in die kleine Kammer ein. Zudem vertreten gleich zwei Personen aus dem Greyerzbezirk den Kanton Freiburg in den kommenden vier Jahren im Ständerat.

Johanna Gapany wohnt in Bulle. Sie sitzt im Gemeinderat der 23'500 Einwohner zählenden Stadt, ist auch Freiburger Grossrätin und arbeitet als Projektleiterin bei einem Freiburger Privatspital.

Levrat wohnt in Vuadens unweit von Bulle. Er kann im Dezember seine dritte Legislatur im Ständerat antreten. Seit vielen Jahren vertraten immer ein Französisch- und ein Deutschsprachiger den zweisprachigen Kanton Freiburg im Ständerat.

Genf: Rot-grünes Duo triumphiert 

In Genf hat Rot-Grün im zweiten Wahlgang für den Ständerat klar gesiegt. Lisa Mazzone (Grüne) und Carlo Sommaruga (SP) heissen die Gewinner. Die bürgerliche Entente von FDP und CVP scheiterte mit dem Versuch, die Dominanz von Rot-Grün zu durchbrechen.

Mazzone machte mit 45'998 Stimmen das beste Resultat. Als zweitbester beendete Sommaruga mit 41'839 Stimmen am Sonntag im zweiten Wahlgang das Rennen um die beiden Plätze im Ständerat.

Profitierten wohl von der zerstrittenen Rechten in Genf: Carlo Sommaruga (SP) und Lisa Mazzone (Grüne).

Hugues Hiltpold (FDP) erhielt 27'297 Stimmen, Béatrice Hirsch (CVP) kam auf 22'960 Stimmen. Die beiden Kandidaten der bürgerlichen Entente konnten auch im zweiten Wahlgang nicht zum rot-grünen Duo aufschliessen, fehlte ihnen doch die Unterstützung der SVP. Ausserdem könnten sie nach den Affären um den Genfer FDP-Staatsrat Pierre Maudet und den Genfer CVP-Stadtrat Guillaume Barazzone unter der mangelnden Unterstützung aus dem eigenen Lager und einer geringen Mobilisierung im bürgerlichen Lager gelitten haben.

Den fünften Rang belegte wie bereits vor drei Wochen die SVP-Kandidatin Céline Amaudruz mit 21'926 Stimmen. Die SVP hatte sich entschieden, mit einer eigenen Kandidatin ins Rennen zu steigen. Die Genfer SVP-Nationalrätin Amaudruz hatte die Unterstützung der Bürgerbewegung Mouvement citoyens genevois (MCG), das seinen Kandidaten zurückgezogen hatte. Der Parteilose Paul Aymon landete mit nur 2529 Stimmen auf dem sechsten und letzten Platz.

Wie 2015 konnte sich die zerstrittene Rechte in Genf nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen, was sich nun gerächt haben dürfte. Die Grünliberalen, die am 20. Oktober einen Nationalratssitz hinzugewonnen hatten, zogen ihre beiden Kandidaten zurück und beschlossen Wahlfreiheit.

Die Allianz Ensemble à Gauche, die ihre beiden Kandidaten ebenfalls zurückgezogen hatte, erhöhte demgegenüber die Chancen des rot-grünen Duos. Mit der Wahl von Mazzone und Sommaruga setzt sich in Genf die seit zwölf Jahren andauernde Vormachtstellung der Linken im Ständerat fort. Die 31-jährige Mazzone wird den zurücktretenden Parteikollegen Robert Cramer ersetzen, der 60-jährige Sommaruga wird Nachfolger der zurücktretenden Sozialdemokratin Liliane Maury Pasquier.

Die Stimmbeteiligung betrug 32,81 Prozent.

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