Gastkolumne

Politik als Selbstbefriedigung

Peach Weber. Steht seit 40 Jahren als Komiker auf der Bühne. Seine Abschiedsvorstellung ist auf den 15. Oktober 2027 im Hallenstadion terminiert.

Der Komiker muss lachen, wenn sich Politiker über ein 16-jähriges Mädchen lustig machen.

Wie musste ich in letzter Zeit immer wieder lachen, wenn vermeintlich gestandene Männer sich über ein 16-jähriges Mädchen lustig machten, das nichts anders tut, als die simple Botschaft per Karton zu verbreiten: Macht endlich das, was ihr schon lange und immer wieder von neuem beschlossen habt! (Übrigens, warum ist kaum eine Frau unter den Dummschwätzern? Ich glaube, Frauen sind zu grenzenloser Dummheit nicht fähig.)
In der gleichen Zeit tagen die Politiker, unter Zerstäubung von Millionen an Steuergeldern, in Luxushotels und streiten sich, ob man griffige Massnahmen bis 2030, 2040 oder doch lieber bis 2099 durchsetzen will. Gleichzeitig geben, zynischerweise, viele sogar zu, dass bisher nicht viel bis praktisch Nullkommanix erreicht wurde.

Weil «Beschliessen» und «Zugeben» noch nichts kostet, vor allem keine Wählerstimmen. Und weil viele Politiker heute den eigentlichen Sinn von Politik nicht mehr verstehen.
Politik heisst nämlich nicht nur, den Volkswillen eins zu eins umzusetzen, dazu könnte man ja Computer anstellen, die mit ihren dämlichen Algorithmen schon jetzt unser Leben versauen . . . äh verschönern , . . . Politik müsste wohl eher bedeuten, wie ein Klimaforscher das Zitat von Herbert Wehner ergänzte: Es mag sein, dass sich die Politik in der Kunst des Möglichen geübt hat. Aber sie hat es nicht verstanden, das Notwendige möglich zu machen.

Politiker hätten, mindestens nach meinem Verständnis, mit der Wahl einen Auftrag zum Denken! Und halt auch mal einen Vorschlag zu wagen, mit dem man Wähleranteil verlieren könnte, der aber einfach dringend nötig ist. Doch dafür müsste man (entschuldigen Sie den Ausdruck) politische Eier haben oder entsprechend Eierstöcke. Man müsste sich hinstellen und der Bevölkerung unpopuläre Ideen erklären.

Zurück zum Anfang: Was reitet diese alten Politik-Männer, sich über ein Mädchen lustig zu machen. Gut, den Rolf Knie kann man noch unter der Rubrik «Einfaltspinsel» subsummieren, aber die anderen? Sie sind für mich nur Scheinpolitiker, denn sie sind absolut nicht bereit, mit anderen zusammen Lösungen zu finden und sich für das Gemeinwohl einzusetzen, nein, sie benützen ihr Amt nur zur persönlichen Selbstbefriedigung und Erfüllung ihres Ego-Trips.

Es soll sogar solche geben, welche sich die Frechheit erlauben, die meisten Sitzungen zu schwänzen und zwar mit der jämmerlichen und rotzfrechen Ausrede, sie hätten viel Zeit für ihren Ständerats-Wahlkampf gebraucht. Ich möchte hier keine Namen nennen, aber schauen Sie bei Google nach unter «Köppel».

Geht’s noch? Früher hätte er vom Lehrer für so eine faule Ausrede eins hinter die Löffel bekommen. Braucht es noch mehr, um den Leuten endlich zu beweisen, wie schnurz ihm die politische Arbeit ist?

Da gab es auch Politiker, die schon am ersten kühlen Sommertag twitterten: «Ätsch, wo ist jetzt die Erderwärmung?» Wie dumm muss man sein, wenn man solche Aktionen lustig findet? Wie dumm muss man sein, wenn man vom Klima in der Schweiz auf das Weltklima schliesst? Da würde doch schon die zweite Hirnzelle rebellieren, so man denn eine hätte. Wie dumm muss man sein, wenn man immer wieder betont, dass Massnahmen in der Schweiz nichts brächten, da es nur Nullkommafastnichts der Weltverschmutzung ausmache?

Es gibt ja sogar Politiker, angeführt vom ersten Globaltrottel, die halten das Pariser Abkommen immer noch für eine Kondom-Verordnung. Es ist sowieso lustig, dass im Moment allüberall Komiker gute Chancen haben, in die Regierung gewählt zu werden, ich warte täglich auf einen Anruf! Soweit haben wir es gebracht.

Gut, ich gebe zu, wir alle hätten am liebsten, dass dieses freche Mädchen nicht recht hat, dass alles nur ein Hype ist und wir weiterwursteln können wie bisher. Aber ich befürchte, dieses «How dare you?» könnte wirklich die Gretchen-Frage sein. Und da nützt es uns nichts, einfach den FAUST im Sack zu machen.

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