Der Gang vor die Oberrichter hat Robert keine mildere Strafe gebracht. Der 42-Jährige hatte 2014 das Kind seiner damaligen Lebensgefährtin so stark geschüttelt, dass der Bub einen Tag später verstarb.

Roberts Verteidiger verlangte vor Obergericht eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten wegen fahrlässiger Tötung. Die Oberrichter bestätigen eine Woche nach dem 7-stündigen Prozess allerdings das Urteil des Bezirksgericht Badens: Robert muss 13 Jahre ins Gefängnis.

Er ist der vorsätzlichen Tötung und der mehrfachen einfachen Körperverletzung schuldig.
Robert muss dem leiblichen Vater des getöteten Buben ausserdem eine Genugtuung von 25 000 Franken zahlen. Seiner ehemaligen Lebenspartnerin und Mutter des getöteten Buben muss er eine Genugtuung von 45 000 Franken zahlen.

Michael wurde monatelang gequält und verletzt

Der kleine Michael musste lange Zeit vor seinem Todestag leiden. Über einen Zeitraum von sechs Monaten, so lange, wie Robert und Michaels Mutter Stefanie in einer Beziehung waren, war der Bub immer wieder verletzt worden.

Die Auflistung seiner Verletzungen füllt mehrere Seiten der Anklageschrift. Waren es am Anfang der Beziehung blaue Flecken und Beulen, wurden die Verletzungen mit Verbrennungen und Schnittwunden schlimmer, je schlechter die Beziehung zwischen den Erwachsenen lief.

Der Obduktionsbericht nach dem Tod des Kleinkinds zeigte, welches Martyrium Michael durchmachen musste: Nebst vielen älteren Verletzungen hatte er unter anderem frische Einblutungen am Hodensack, ein durchtrenntes Lippenbändchen und Stauchungsbrüche am Brustwirbelkörper.

Robert stritt vor Gericht vehement ab, mit diesen Verletzungen etwas zu tun gehabt zu haben. Er gab aber zu, den Bub geschüttelt zu haben, als Stefanie für wenige Minuten nach draussen gegangen war, um den Abfallsack zu entsorgen: «Er hat nicht aufgehört zu weinen und ich war überfordert. Dann habe ich ihn geschüttelt. Das tut mir leid.»

«Erst als ich meinen Sohn auf dem Bett liegen sah, mit weissen Augen und blutig. Erst als ich verhaftet wurde und die Einvernahmen begannen, realisierte ich, dass es Robert gewesen sein musste», sagte die Mutter vor Obergericht unter Tränen.

Mutter sagte vor Gericht, sie habe nichts vermutet

Die Mutter wurde 2017 wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen vom Bezirksgericht Baden zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten verurteilt. Mehrmals hatten Stefanie und Robert vor Michaels Tod unglaubwürdige Erklärungen für dessen Verletzungen abgegeben. So soll sich der Zweijährige die Hand selbst verbrannt haben. Ein im Babybett gefundenes Feuerzeug sollte das laut ihren Aussagen beweisen.

Die Mutter selbst will von den Misshandlungen ihres Partners nichts gewusst haben: «Ich habe am Anfang gedacht, dass es sich um ein neurologisches Problem handeln könne», sagte sie über die Verletzungen ihres Sohnes. Michael sei «ein kleiner Wirbelwind» gewesen. Sie habe Robert geliebt und ihm vertraut. Der Kleine habe ihn Papa genannt.

So berichtete Tele M1 über die Urteilsverkündung vor dem Bezirksgericht: Das sagen die Staatsanwältin und der Verteidiger der Mutter.