Es sah so gut aus für Malou II: Der Storch, dessen Zugroute jeder dank einem GPS-Sender live im Internet verfolgen kann, kehrte im Frühjahr aus dem Winterquartier im spanischen Alcázar de San Juan an seinen Geburtsort, die Storchenstation Möhlin, zurück.

Nach Hause geflogen war er zwar schon im letzten Jahr, verlor aber den Kampf um einen Horst – und dabei einen Teil seines Schnabels.

Diesmal setzte sich Malou II im Kampf um einen Horst gegen ein junges Storchenpaar durch, bezog den Horst auf einer kleinen Föhre und wartete auf eine Partnerin. Und siehe da: Nach einigen Tagen, in denen er alleine im Horst gesessen war, gesellte sich tatsächlich eine Störchin zu ihm. «Ich hoffe, dass es jetzt mit Nachwuchs klappt», sagte Bruno Gardelli, Leiter der Storchenstation Möhlin, Anfang April zur AZ. Er drücke ihm jedenfalls die Daumen.

Senderstorch Malou II eroberte im Frühjahr den Horst auf der Föhre bei der Storchenstation Möhlin.

Es hat geklappt. Vor acht Wochen schlüpften im Malou-Horst zwei Jungvögel. «Die beiden waren damit das letzte unserer 18 Brutpaare, das seine Jungen bekam», sagt Gardelli. Die Jungvögel seien rund drei Wochen später geschlüpft als jene in den anderen Nestern. Die Freude darüber, dass es nun auch bei Malou II Nachwuchs gab, war entsprechend gross.

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Doch die Freude währte nicht lange: Malou II hat es nicht geschafft. «Traurige Nachricht», schreibt die Storchenstation auf Facebook, «Unser Senderstorch ist am Sonntag ums Leben gekommen.» Er sei, rund 1,8 Kilometer von der Storchenstation entfernt, entweder in einen Zug geflogen oder habe die Bahn-Oberleitung touchiert, erklärt Gardelli.

Einer von 11 Senderstörchen aus dem Aargau

Malou II war einer von insgesamt elf Störchen aus dem Fricktal und dem Freiamt, die für das Projekt «SOS Storchenzug» mit einem Datenlogger ausgestattet wurden. Er erhielt seinen Sender bereits 2014. Entsprechend dicht gewoben ist das Netz seiner Flugbewegungen im Internet. Von den Aargauer Senderstörchen ist nur noch Thierry aus Rheinfelden am Leben. Er wurde im Juni 2017 besendert.

Bruno Gardelli von der Storchen- und Wildvogelpflegestation in Möhlin.(Archivbild)

Nach dem Tod von Malou II liegt nun die Verantwortung für das Füttern der beiden Jungstörche alleine in der Hand der Störchin. Das ist für sie allein fast nicht meisterbar – und deshalb bekommt sie Unterstützung von Gardelli und seinem Team. Wenn die Störchin auf Futtersuche ist, werfen sie den Jungen Futter in den Horst. «Da der Horst nicht sehr hoch ist, klappt das mit dem Hinaufwerfen ganz gut», so Gardelli.

Gleichzeitig beobachten sie, wie sich die beiden entwickeln. «Sollten sie schwächer werden, gehen wir eventuell hinauf und holen sie runter.» Dieses Unterfangen ist allerdings heikel, da die Jungstörche dann eventuell aus dem Horst springen. «Wir hoffen sehr, dass es die beiden schaffen», sagt Gardelli.

Während beim Malou-Nachwuchs noch Bangen angesagt ist, machen die anderen, fast einen Monat früher geborenen Jungstörche bereits ihre ersten Flugversuche. «Sie lernen auch, selber Nahrung zu suchen.

Storchenjahr 2019 war gut

Am Abend kehren die Jungtiere derzeit noch in den Horst zurück; das wird ab Ende Monat nicht mehr der Fall sein. «Die Strecken werden weiter und sie nächtigen andernorts», so Gardelli. Im August dann ziehen die ersten Störche in den Süden. Zurück bleiben jene, die nicht ziehen; das sind in Möhlin 10 bis 15.

Das «Storchenjahr 2019» bezeichnet Gardelli als «gutes Jahr», auch wenn einige Jungstörche das kaltnasse Wetter um die Eisheiligen herum nicht überlebt haben. Insgesamt leben in der Storchenstation 30 Jungstörche, im Dorf weitere 12.