Böse ist für einmal gut: Am Nordwestschweizer Schwingfest vom 2. bis 4. August in Wittnau werden 140 der ganz Bösen – also der besten Schwinger aus der Nordwestschweiz und aus anderen Regionen – am Start sein und in den vier Sägemehlringen um den Sieg kämpfen.

«Wir sind mit den Vorbereitungen auf Kurs», sagt OK-Präsident Werner Müller. In den einzelnen Ressorts liefen derzeit die Finish-Arbeiten. «Aber eigentlich warten nach zweieinhalb Jahren Vorbereitung alle darauf, dass es losgeht.»

Dies wird ab dem 20. Juli der Fall sein, wenn die Arena mit ihren 4000 Plätzen, die verschiedenen Festbeizen, die sanitären Anlagen sowie die Stallung für die drei Lebendpreise aufgebaut werden.

Dies ist nicht ganz einfach, denn die Wettkampfstätte liegt mitten im Dorf. Man habe die Anwohner von Anfang an ins Boot geholt, sagt Müller. Man habe sie mehrmals informiert und das Projekt aufgrund ihrer Rückmeldungen auch optimiert. «Das Einvernehmen ist sehr gut», freut er sich.

Die Arena wird auf dem Sportplatz aufgebaut, die restliche Infrastruktur wird darumherum gruppiert. «Es ist schon eine logistische Herausforderung, die Wettkampfstätte mitten im Dorf zu errichten», räumt Müller ein. Man habe deshalb am Anfang der Planung auch überlegt, die Arena an den Dorfrand zu legen. Das OK kam davon ab, weil dort auch die Infrastruktur von Schule und Gemeindehaus, die jetzt mitgenutzt werden kann, hätte aufgebaut werden müssen. «Das Fest wäre so fast 100 000 Franken teurer geworden.»

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Das wollte man nicht, denn auch so ist das Budget beachtlich. Das OK kalkuliert mit Ausgaben von rund 800 000 Franken. Rund die Hälfte davon decken Sponsorenbeiträge ab. Den Rest will das OK mit Tickets und Verpflegung erwirtschaften.

Der Ticketverkauf lief «etwas weniger gut als gehofft», sagt Müller. Mit den bislang rund 2500 verkauften Tickets sei man nicht ganz zufrieden. Da noch nicht alle Tickets abgesetzt sind, kam das OK auch von der Idee eines Public Viewing ab.

Dennoch geht Müller davon aus, dass am Sonntag «gut 5000 Besucher» in Wittnau sein werden, um das Schwing-Spektakel live mitzuverfolgen. Dieses wird auch per Livestream vom Schweizer Fernsehen übertragen.

Das Nordwestschweizer-Schwingfest 2016

800 freiwillige Helfer sind im Einsatz

Müller hofft, dass möglichst viele Besucher mit dem öffentlichen Verkehr anreisen werden. «Die Bushaltestelle liegt nur wenige Meter von der Wettkampfarena entfernt», wirbt Müller. «Schneller kommt man nicht in die Arena.»

Von Frick und Aarau werden zudem Zusatzbusse verkehren. Wer mit dem Auto kommt, kann sein Fahrzeug auf einem der Fest-Parkplätze am Dorfrand abstellen; insgesamt hat es Platz für rund 2000 Fahrzeuge. Von den Parkplätzen aus verkehrt dann ein Shuttle-Bus.

Die Stütze des Festes sind die freiwilligen Helfer. Rund 800 werden an den drei Tagen im Einsatz sein. Sie teilen sich 1550 Schichten und absolvieren zusammen rund 9000 Helferstunden.

Es sei nicht ganz einfach gewesen, die Helfer zusammenzubringen, sagt Müller. «Ich hatte es mir noch schwieriger vorgestellt.» Während bei anderen Festen die Veranstalter noch in letzter Minute händeringend nach helfenden Händen suchen, war es beim Schwingfest «fast schon ein Selbstläufer».

Das hat viel mit der Dorfgemeinschaft in Wittnau zu tun. «Zusammenstehen sind wir uns gewohnt.» Zudem sei der Turnverein Wittnau, der das Schwingfest organisiert, auch bei Festen in anderen Dörfern oft helfend im Einsatz. «Da gilt Gegenrecht», meint Müller schmunzelnd. Er ist sich der komfortablen Lage bewusst und vermutet, «dass es in einem kleineren Dorf wie Wittnau sogar einfacher ist, Helfer zu finden, als in einem grösseren, in dem die Anonymität höher ist».

Hoffen auf den Sieg eines Einheimischen

Dass der TV Wittnau ausgerechnet ein Schwingfest organisiert, hat einen einfachen, handfesten Grund: das Brüderpaar David und Samuel Schmid. Die beiden Wittnauer gehören zu den Hoffnungsträgern der Nordwestschweizer Schwinger; David Schmid sorgte vor zwei Jahren am Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer für Furore, als er sich einen Kranz holte. «Ein Sieg in Wittnau ist möglich», sagt Müller.

Defensivkünstler David Schmid (unten) befreit sich immer wieder aus schier aussichtslosen Situationen: Das erlebte Armon Orlik am Eidgenössichen 2016.

Er selber kam «eher zufällig» zum OK-Präsidium. Damals, vor zweieinhalb Jahren, war Müller noch Gemeindeammann von Wittnau und ist Ehrenmitglied des Turnvereins. Er wurde angefragt – und sagte zu. Seither trifft man den 60-Jährigen regelmässig an Schwingfesten. «Ich habe den Plausch am Schwingen bekommen.» Die Atmosphäre sage ihm zu, er möge das Bodenständige.

Auf eine «Bombenatmosphäre» hofft Müller auch im August. Gutes Wetter und unfallfreie Wettkämpfe wünscht er sich – und einen Fricktaler Sieg.